Luftqualität: Strategische Pläne und Überwachung
Zwei der wichtigsten Bereiche im Luftqualitätsmanagement sind:
- Die Messung der Luftqualität und die anschließende Beurteilung der erhobenen Daten, um mögliche Risiken für die menschliche Gesundheit festzustellen.
- Die Planung regulatorischer Maßnahmen zur kurz- und langfristigen Erreichung der gesetzten Luftqualitätsziele.
Die geltende Gesetzgebung bestimmt die Grenzwerte der einzelnen Luftschadstoffe, die Modalitäten zur Bewertung der Luftqualität, die Prozeduren zur Ausarbeitung der Luftqualitätspläne und deren Durchführungsprogramme.
Die Landesregierung hat der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz die Zuständigkeiten im Bereich der Luftreinhaltung übertragen.
Das Luftqualitätsmanagement wird durch folgende Normen geregelt:
- Dekret des Landeshauptmannes vom 15. September 2011, n. 37, „Durchführungsverordnung zur Luftqualität“
- Gesetzesvertretende Dekret vom 13. August 2010, Nr. 155 „Durchführungsdekret der Richtlinie 2008/50/EU“
- Richtlinie 2008/50/EU des europäischen Parlaments und des Rates vom 21. Mai 2008 über Luftqualität und saubere Luft in Europa
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Im Sinne der Luftqualitätsbewertung besteht das Land Südtirol lediglich aus einer Zone.
Eine Bewertung der Luftqualität wird jährlich von der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz nach den Kriterien der staatlichen Bestimmungen durchgeführt (gesetzesvertretende Dekret 155/2010). Die Bewertung beinhaltet den jährlichen Vergleich der Messdaten mit den gesetzlichen Grenz- und Zielwerten und bietet einen zuverlässigen Gesamtüberblick über die Luftqualität des Landes. Folglich werden durch den Jahresbericht der Luftqualitätswerte eventuelle kritische Situationen für die menschliche Gesundheit und der Umwelt aufgezeigt. Die Ergebnisse dienen auch bei der Erstellung der Pläne und Programme zum gesetzlich vorgegebenen Schutz der Luftqualität.
Tabelle mit den Grenzwerten, Zielwerten und kritischen Werten
Die Messung der Luftqualität erfolgt in erster Linie anhand des fixen Luftmessnetzes. Das bestehende Luftmessnetz wurde vom zuständigen Umweltministerium auf Basis des von der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz ausgearbeiteten Projektes genehmigt. Die Anzahl an fixen Messstationen und deren Typ wird von der Gesetzgebung vorgegeben.
Das Messnetz liefert Konzentrationswerte für jede Stunde des Jahres. Unter Aktuelle Luftmessdaten werden sowohl die Stunden- als auch die Tagesmittelwerte in Echtzeit veröffentlicht. Der wichtigste in Echtzeit verfügbare Wert ist dabei die Ozonkonzentration, da eine Überschreitung der Warn- oder Alarmschwelle auch kurzfristig eine Auswirkung auf die Gesundheit haben kann.
Dieselben Daten werden in Echtzeit auch auf der Homepage der Europäischen Umweltagentur veröffentlicht.
Neben den Luftqualitätsmessungen der fixen Messstationen werden Messkampagnen mit mobilen Messstationen durchgeführt. Die Messdauer beträgt im Normalfall ein Jahr. Ziel der Messkampagnen ist es, die Luftsituation in Zonen zu bestimmen, welche vom fixen Luftmessnetz nicht ausreichend abgedeckt werden, und/oder mögliche Risiken einer Überschreitung der in den Vorschriften festgelegten Grenzwerte zu untersuchen.
Mehrjährige Beurteilung der Luftqualität
Die mehrjährige Beurteilung der Luftqualität berücksichtigt die Werte und Konzentrationstrends, die in den letzten Jahren durch das feste Überwachungsnetz und die Messkampagnen aufgezeichnet wurden, und vergleicht die Ergebnisse mit den Grenzwerten, Zielwerten und kritischen Werten für die Vegetation, die in den Verordnungen festgelegt sind. Durch die Analyse der aus dem Emissionskataster geschätzten Emissionen werden die wichtigsten Emissionsquellen ermittelt. Auf diese Weise kann der Zusammenhang zwischen den Emissionsquellen und den Schadstoffkonzentrationen in dem Gebiet festgestellt werden. Mit Hilfe geeigneter Berechnungsmodelle für die Schadstoffausbreitung werden schließlich die von der Überschreitung der Grenzwerte betroffenen Gebiete ermittelt. Diese Dokumente enthalten auch Informationen über das Zoneneinteilungs- und Überwachungssystem der Provinz.
Der Luftqualitätsplan legt die Strategie zur Erreichung einer bestmöglichen Luftqualität fest, indem mittel- und langfristige Maßnahmen zur Bekämpfung der Luftverschmutzung definiert werden. Dieser wird in den nächsten Jahren auf der Grundlage der neuen EU-Luftqualitätsrichtlinie aktualisiert.
Derzeit ist das „Programm zur Reduzierung der NO2- Belastung“ in Kraft und sieht Maßnahmen zur Erreichung der Grenzwerte bis zum Jahr 2026 vor, welche auf Landesebene und von den Gemeinden Bozen, Meran, Brixen, Leifers und von der Brennerautobahn angewandt werden.
Das Programm ist eine Überarbeitung des vorigen Beschlusses 749/2018.
Emissionskataster der Luftschadstoffe
Im Emissionskataster der Provinz Bozen werden die Emissionsdaten der verschiedensten Emissionsquellen des Landes gesammelt. Diesbezüglich liefert es einen detaillierten Aufschluss über die Menge, die Art und den Ort der Schadstoffemissionen von unterschiedlichen Verursachern. Besondere Bedeutung erlangt es bei der Erstellung von Luftqualitäts- und Sanierungsplänen, da sich eventuelle Maßnahmen zur Reduzierung von Schadstoffkonzentrationen in erster Linie gegen die Hauptverursacher richten sollen.
Das nationale Emissionskataster, das jährlich aktualisiert wird, kann auf dem ISPRA-Portal eingesehen werden.
11 Hauptgruppen von Emissionsquellen
Die Emissionsquellen werden nach der europaweit angewandten CORINAIR/SNAP 97-Klassifizierung in 11 Hauptgruppen unterteilt. In Südtirol verursachen der Straßenverkehr und die nicht-industriellen Verbrennungsprozesse, insbesondere die Heizungsanlagen in Haushalten, den Großteil der Emissionen – dies gilt vor allem für die Stickoxide (NOx), den Feinstaub (PM10 und PM2.5) und das Benzo(a)pyren.
Als Makroschadstoffe sind im Emissionskataster Schwefeldioxid (SO2), Kohlenmonoxid (CO), Stickoxide (NOX), Feinstaub (PM10 und PM2.5), Ammoniak (NH3) und flüchtige organische Kohlenwasserstoffe (VOC) geführt.
Der Verkehr ist für 46,9% der gesamten NOX-Emissionen verantwortlich. Die stetig restriktiveren europäischen Grenzwerte für Kraftfahrzeuge führen zu wichtigen Verbesserungen bei Motoren und bei der Abgasbehandlung mit den so genannten „EURO-Klassen“. Dies drückt sich bereits in einem Rückgang der Emissionen aus, der auch in den nächsten Jahren anhalten wird.
Der Hausbrand, im Fachjargon die nicht-industrielle Verbrennung, ist für 75,9% der PM10-Emissionen verantwortlich (wobei fast alle Emissionen von Kamin- oder Kachelöfen usw. verursacht werden). Der Straßenverkehr hat auf ländlicher Ebene hingegen nur geringe Auswirkungen auf die Feinstaub-Produktion. Zudem wird in diesem Bereich mehr Feinstaub aufgrund von Abnutzung (von Bremsen, Reifen und Straßenbelag) als über den Auspuff erzeugt.
Die obigen Überlegungen gelten auf Landesebene, es ist jedoch interessant zu beobachten, wie die Emissionsbilanzen einer Großstadt im Vergleich zu einem kleinen Bergdorf mit ländlicher Prägung besonders unterschiedlich sind (siehe Abbildung). Vergleicht man nämlich ein kleines Bergdorf mit der Stadt Bozen, so erhält man zwei sehr unterschiedliche Emissionsbilanzen in Bezug auf die Quellen, die am meisten für die PM10-Emissionen verantwortlich sind. In ländlichen Gebieten, wo die Holzverbrennung sehr verbreitet ist, wird der Großteil der PM10-Emissionen durch den Hausbrand verursacht, während in einer Großstadt wie Bozen der Anteil der PM10-Emissionen durch den Hausbrand halbiert ist, insbesondere zugunsten des Verkehrs.
Ammoniak wird hauptsächlich von der Landwirtschaft produziert, die etwa 98% dazu beiträgt.
Stark zurückgegangen sind in den letzten Jahren die Emissionen von flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOC): Dies ist auf die Einführung neuer Normen im Bereich der Vermarktung von lösemittelarmen Lacken und auf die verpflichtende Einführung von Gasrückführungsanlagen an den Tankstellen zurückzuführen.
Unter den Mikroschadstoffen im Emissionskataster des Landes sind insbesondere die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK), darunter das Benzo(a)pyren, zu nennen. Dabei handelt es sich um einen nachweislich krebserregenden Luftschadstoff, der fast ausschließlich bei der unvollständigen Verbrennung von Holz in kleinen Anlagen (Kamin- oder Kachelöfen usw.) gebildet wird, die über keine automatische Regulierung verfügen.
Emissionskataster:
Die Gemeindeverwaltungen oder andere öffentlichen Einrichtungen können bei der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz um die Durchführung von Immissionsstudien anfragen, bei denen Schadstoffausbreitungsmodelle eingesetzt werden. Der Vorteil von Ausbreitungsmodellen liegt darin, dass für das gesamte Untersuchungsgebiet die Schadstoffkonzentrationen ermitteln werden können. Beim Untersuchungsgebiet kann es sich dabei um ganz Südtirol oder auch nur um einen verkehrsreichen Straßenabschnitt handeln. Weiters ist es mit den Modellen möglich, Vorhersagen über die Entwicklung der Luftqualität in zukünftigen Jahren zu treffen, wodurch sie ein wichtiges Werkzeug bei der Planung von Landschafts- und Verkehrsprojekten, Anlagen zur Erzeugung von Energie, Tunnellüftungen usw. sind.
- 2019: Stima delle concentrazioni medie annue di NO2 e PM10 da fonti lineari sulla città di Bolzano.
Confronto tra lo stato attuale e gli scenari derivanti dal PUMS (nur in italienischer Sprache) - 2019: Normalizzazione valori NO2 2012-2018 (nur in italienischer Sprache)
- 2020: Normalizzazione NO2 2017-2019 e prospettive 2023 (nur in italienischer Sprache)
- 2021: Stima concentrazioni NO2 e PM10 da fonti lineari citta di Bressanone
Confronto tra stato attuale e scenari derivanti dal PUMS (nur in italienischer Sprache) - 2022: Analisi di dati relativi a traffico e inquinamento nei comuni Bolzano e Merano, anni 2018-2021 (nur in italienischer Sprache)
- 2022: Parco macchine ed emissioni NOx in Alto Adige, anni 2018-2021 (nur in italienischer Sprache)